Raus aus der Retterfalle

Ergänzend zum Artikel „Warum Jammern dich nicht weiter bringt“

Zu jedem Jammerer/Opfer gehört auch der Retter. Gerade in der Heiler-Branche ist der Retter häufig anzutreffen. Auch der Retter hat dabei seine Lernaufgabe.

Über den Jammerer sagte ich, sie seinen wie Junkies. Wenn wir in dem Bild bleiben, dann ist der Retter der Dealer. Er bringt den ersehnten Stoff, die schöne hochschwingende Energie, die Aufmerksamkeit, die Zuwendung, die Zeit usw.

Was hat der Retter davon?

Die meist ungesehene Wahrheit ist, dass der Retter/Dealer oftmals selbst abhängig ist. Abhängig oder gar süchtig danach, gebraucht zu werden. Dieses Gefühl des „gebraucht werdens“ schützt den Retter vor dem Gefühl

  • Des sich ohnmächtig Fühlens
  • Des sich sinnlos Fühlens
  • Des sich klein, normal, gewöhnlich Fühlens

All das sind Zeichen der Coabhängigkeit.

 

Wie entsteht ein solches Muster?

Meiner Erfahrung nach gibt es drei Hauptstränge. Sie kommen als Ursache einzeln, meistens aber in Kombinationen vor:

Sehr oft wurde ein solches Muster im Elternhaus geprägt. Als Kind musste man früh Verantwortung übernehmen und wurde dadurch zu früh erwachsen. Oftmals ist das Thema Sucht allgegenwärtig und damit auch eine Unberechenbarkeit und Beziehungslosigkeit.

Doch das, was ein Kind so sehr braucht, ist gerade die Berechenbarkeit und die Beziehung.  Notfalls sorgt es durch sein eigenes Sorgen/Kümmern/Achten dafür, dass ein Mindestmaß an Berechenbarkeit und Beziehung in das Leben einzieht. Über das Kümmern kann es Beziehung herstellen. Durch das Kümmern kann es Kontrolle erreichen. Durch das Kümmern fühlt es sich nicht ohnmächtig und ausgeliefert. Es entsteht der prägende Glaubenssatz:

Wenn ich es schaffe, den anderen zu retten, dann habe ich mein Lebensziel erreicht.

Dabei vergisst ein solches Kind, sich um sich selbst zu kümmern und eine Beziehung zu sich selbst aufzubauen. Die eigene Neurologie wird so geschaltet, dass das Kind (und auch später als Erwachsener) dann den Belohnungsstoff Dopamin ausschüttet, wenn es anderen hilft, sich aufopfert, sich um Rettung anderer bemüht. Das ist dann die entstandene Suchtstruktur, die es aufzubrechen gilt.

 

Eine weitere Ursache für ein „Retter sein“ ist ein Karmischer Ausgleich. In der klassischen Trias werden die verschiedenen Rollen von Opfer-Täter-Retter durchlebt und erfahren. Teilweise begegnen sich auch Seelengefährten immer wieder, jeweils in getauschten Rollen. In einem Leben erfahre ich mich als Opfer, werde vom Retter vor dem Täter gerettet. In einem anderen Leben bin ich der Täter, in einem weiteren Leben der Retter. Meist geschieht das alles unbewusst und mit ganz viel Drama.

Ist eine Seele schon weiter gereift, dann kann sie durch Bewusstwerdung aus dem Drama aussteigen, die Seelenverträge kündigen und so energetische Freiheit erlangen. Ist die Seele noch nicht soweit gereift, dann wird sie für bewusst machende Angebote überhaupt nicht ansprechbar sein und solches eher abwehren und abtun.

Als „Retter“ ist es dienlich, sich seine eigenen karmischen Verstrickungen anzuschauen, zu transformieren und zu klären. Dazu gehören dann auch die anderen Rollen, also die des Opfers und die des Täters. Das Ergebnis ist ein Quantensprung in der seelischen Reife und ein Überwinden der Polarität. So wird aus einem „Retter“ ein echter Helfer.

 

Als dritten Baustein, um aus der Retterfalle auszusteigen ist es, sich die Gelübde, Eide und Schwüre aus alten Heilerorden vorzunehmen und diese aufzulösen. Diese Gelübde wirken wie Fernsteuerungen. Sie springen automatisch und völlig unbewusst an.  Sie wirken als ein „Ich MUSS RETTEN“!

 

Wie kann ich als Helfer unterscheiden, ob ein Hilfesuchender ein Jammerer ist oder bereit ist für echte Hilfe?

Nun wird es Zeit zu gestehen, dass ich selbst lange Zeit in der Retterfalle saß. Jedem, der auch nur anfing zu klagen, habe ich versucht, Hilfe anzubieten.

Durch die eigenen Coachingprozesse durfte ich mir selbst auf die Schliche kommen, was einen ordentlichen Entwicklungsschub mit sich brachte.

Heute beobachte ich meine inneren Bilder, die in mir entstehen, wenn ich mit Klienten arbeite. Sitzt ein Mensch vor mir, der echt durch seine Prozesse gehen möchte, dann bekomme ich Bilder von den bindenden Ereignissen. Mit diesen kann man dann direkt arbeiten und Transformationen bewirken.

Habe ich es aber mit einem Jammerer zu tun, dann erscheint vor meinem Inneren Auge ein Bild von kleinen krähenden Jungvögeln im Nest, die beständig nach den Vogeleltern rufen: „Gib mir, gib mir!!!“.  Ein forderndes,  nimmersattes bedürftiges Schreien eines Wesens, das keine Verantwortung für sich selbst übernimmt und nicht in die eigene Kraft geht.

Als Behandler erfordert es eine ganz andere Herangehensweise.

Beim ersteren Fall kann man direkt loslegen und aufarbeiten – beim zweiten Fall darf man als Helfer sich üben im Gewahrsein, dass es erst Bewusstwerdung und Verantwortungsübernahme  beim Klienten braucht. Meistens gebe ich dann erst mal Hausaufgaben auf, die in die Selbstreflektion bringen und in die Selbstverantwortung.

Im Großen und Ganzen lasse ich mich bei meiner Arbeit leiten von der übergeordneten Frage:

„Was hat die größte Kraft?“

Eine solche Frage hilft mir, mein eigenes kleines „Retterego“ in Schach zu halten und mich statt dessen im Coachingprozess führen zu lassen von größeren Kräften.

 

Als Helfer in der Retterfalle darf man sich im Verzichten üben. Im Verzichten auf ein „Ich muss helfen/retten, im Verzichten auf ein „Geliebt/bewundert werden“.  Fällt dieses Verzichten schwer, kann es auch hilfreich sein, sich selbst ein Coaching zu verordnen/gönnen.

Möchte ich als Behandler das Beste für meine Klienten geben, dann bin ich gefordert, meine eigenen Themen anzugehen.

 

Zusammenfassend nochmal die generellen  Lösungswege  aus der Retterfalle:

  • Tief anerkennen, dass ein jeder einzelne Mensch für sein Erleben und seinen Weg selbst verantwortlich ist
  • Das bedeutet, dass jeder einzelne Mensch sich „selbst Antwort“ geben muss
  • Retter-Muster auflösen, wie oben erwähnt
  • Sich darin üben, auf´s „Retten“ zu verzichten
  • Dabei nachspüren, was als Thema in einem aufsteigt oder hochkocht und dieses dann bearbeiten
  • Immer testen bei Klienten, ob jemand „jammert“ oder ob jemand „echte Hilfe“ will und bereit ist, aus dem Opfer auszusteigen
  • Testen, was „echte Hilfe“ wäre.
  • Sich selbst testen, was die eigene Absicht ist / oder testen lassen.

 

Ein Buch, das ich an dieser Stelle sehr empfehlen kann ist von Bert Hellinger: Die Ordnungen des Helfens

 

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Mit herzlichen Gerüßen, Valonia Judith Braun

 

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